50 Jahre Sicherheit: Deutschland, Pionier der Standardisierung

Vor 50 Jahren kam Planar, das erste TÜV-zertifizierte Sicherheitssystem der Welt auf den Markt. Anlässlich dieses Jubiläums befassen wir uns heute mit der historischen und technologischen Entwicklung von Normung und Zertifizierung: Wie sind wir dorthin gekommen, wo wir heute stehen? Und welche Rolle spielte dabei Deutschland, besonders im Bereich der Funktionalen Sicherheit?

Deutschland ist bekannt für Präzision, Akribie und Ordnungsliebe. Dieses Bild ist zwar geprägt von jahrelanger Stereotypisierung. Doch diese Werte sind auch tatsächlich in der deutschen Gesellschaft und Politik verankert; und sogar weltweit als Vorbild anerkannt.

Im Laufe der Jahre hat sich der Fokus auf Sicherheit und Standardisierung auch in kritischen Bereichen der deutschen Industrie durchgesetzt – besonders nach der Industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert. Später dienten die bereits etablierten deutschen Standards als Basis für internationale Vorschriften. Unsere Blog-Reihe zeigt, wie HIMA die heute geltenden Normen maßgeblich mitgestaltet hat.

Doch um voll und ganz zu verstehen, wie Deutschland zur treibenden Kraft von Funktionaler Sicherheit wurde, hilft zunächst ein Rückblick in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Weg zur Funktionalen Sicherheit

Am 28. Januar 1865 explodierte in einer Mannheimer Brauerei ein Dampfkessel. Zwar gab es schon vor dieser Explosion Diskussionen zum Thema Sicherheit, doch erst dieser Vorfall brachte alles ins Rollen: 26 Ortsansässige gründeten daraufhin eine unabhängige, unparteiische Prüforganisation; die „Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln“. Diese Organisation schuf das Fundament für das, was wir heute als TÜV kennen – eine der weltweit führenden Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsgesellschaften.

Seit fünf Jahrzehnten arbeitet HIMA nun schon gemeinsam mit dem TÜV daran, die Idee der Funktionalen Sicherheit voranzutreiben. Beiden war klar: Bei Stör- und Unfällen in Anlagen tragen zwar die Eigentümer das finanzielle Risiko, vor allem sind aber die Betreiber und Arbeitskräfte vor Ort ernsthaft in Gefahr.

In den 1970er Jahren wurde schließlich die proaktive Risikoanalyse zur Norm – nicht zuletzt dank der Beteiligung von HIMA. Ab diesem Zeitpunkt wurden Überwachungssysteme eingesetzt, um Menschen, Anlagen und die Umwelt zu schützen. Mit dem zeitgleich erscheinenden Planar-System setzte HIMA so neue Maßstäbe in der Arbeitssicherheit. Erstmals gab es eine TÜV-zertifizierte Sicherheitssteuerung, die sogar weltweit gültig sein sollte.

„Deutschland gewährleistet ein hohes Maß an Funktionaler Sicherheit, das auch international als vorbildlich gilt.“
Merlin Hilger,
Experte für Funktionale Sicherheit, TÜV Rheinland

HIMA und TÜV bringen Standards voran

Von nun an diskutierten und entwickelten Ausschüsse auf der ganzen Welt Sicherheitsstandards. Neben verschiedenen TÜV-Experten, Industrie- und Berufsverbänden spielte dabei auch HIMA eine wichtige Rolle. Ein historisches Beispiel für die proaktive Zusammenarbeit war die Entwicklung von Normen für Feuerungsanlagen, z.B. VDE 0116. Dieser Standard befasste sich mit der frühen, festverdrahteten Computertechnik. Daraus entstand die europaweite DIN EN 50156, die heute für die Auslegung und Anwendung von elektrischen Betriebsmitteln, Regelkreisen und sicherheitstechnischen Systemen für Feuerungsanlagen gilt.

1984 veröffentlichten die Ausschüsse ein Handbuch, das programmierbare Technologie erstmals als Teil sicherheitsrelevanter Anwendungen betrachtete. Im Laufe der Zeit nahmen die Normungsaktivitäten im industriellen Deutschland zu. Um die Ausfallwahrscheinlichkeit von Geräten bewerten zu können, definierte das „Deutsche Institut für Normung“ (DIN) alle Gefahren und Risiken in Bezug auf neu entwickelte speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und elektromechanische Geräte. Heute kennen wir diese Norm als SIL.

Die wichtigsten Standards für Funktionale Sicherheit sind heutzutage IEC 61508, IEC 61511 und IEC 62443.

„Funktionale Sicherheit hat viel mit der Verantwortung von Unternehmen zu tun. Niemand will in den Schlagzeilen sein, wenn Menschen oder die Umwelt geschädigt werden.“
Jana Klaes,
TÜV Rheinland

Deutschland als Vorreiter

Mittlerweile sind die deutschen Standards weltweit anerkannt. Die Mitarbeit von HIMA und TÜV in Normungsgremien haben die geltenden Sicherheitsvorschriften entscheidend geprägt. Angesichts von Industrie 4.0 und zunehmender Cyber-Bedrohungen suchen Unternehmen aus aller Welt nun nach zertifizierten Lösungen, um eine optimale Funktionale Sicherheit gewährleisten zu können. Die von HIMA und TÜV gemeinsam entwickelten Lösungen bieten diese Sicherheit.

„Made in Germany“ ist weiterhin ein Markenzeichen für Fertigungsqualität, aber eine Sicherheitszertifizierung durch deutsche Normungsgremien kann sich als ebenso nützlich erweisen. Deshalb kommen schon heute weltweit über 35.000 der TÜV-zertifizierten intelligenten Sicherheitslösungen von HIMA zum Einsatz.

Verfolgen Sie auch die nächsten Beiträge aus unserer Reihe „50 Jahre Sicherheit“. Darin erhalten Sie Einblicke, wie sich die Zusammenarbeit von HIMA und TÜV im Laufe der Jahre entwickelt hat. Sie erfahren, wie der TÜV mit einer Fünf-Schritte-Methodik an die Zertifizierung herangeht und was Unternehmen beachten sollten, um Funktionale Sicherheit in der Industrie 4.0 zu managen.