Die Top-5-Megatrends der Bahnindustrie

Veränderung liegt in der Luft – das globale Geschäftsumfeld der Bahnindustrie hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Die zunehmende Internationalisierung und Digitalisierung erfordert standardisierte Technologien und normgerechte Bahnprodukte und -anwendungen. Doch Entscheidungsträger haben noch weitere Hürden zu meistern.

Im Zuge der Digitalisierung werden sich viele Prozesse und Technologien branchenübergreifend verändern – aber wie wirkt sich das auf die Bahnindustrie aus? Laut einer Astran-Umfrage unter Experten und Entscheidungsträgern im Safety-Umfeld sind das die Top-5-Trendthemen im Bahnmarkt:

1. COTS

Werden proprietäre Sicherheitssysteme und -lösungen die Oberhand behalten oder von standardisierten Alternativen abgelöst werden? Diese Frage halten die Marktteilnehmer derzeit für die wichtigste. Programme wie die EULYNX-Initiative zeigen, dass standardisierte Schnittstellen einen entscheidenden technologischen Treiber im sicherheitsrelevanten Bahnmarkt darstellen – und somit für den Erfolg der digitalen Transformation in der Bahntechnik ausschlaggebend sind. Systeme auf Basis globaler Standards werden benötigt, die einfach zu integrieren und dabei kosteneffizient sind. Die Kostenersparnis durch Commercial-off-the-Shelf-Systeme sind ein Plus, als entscheidender jedoch nehmen die Befragten die Abkehr vom Vendor Lock-in wahr.

2. Digitalisierung

Die digitale Transformation verändert den Betrieb von Zügen, Infrastrukturen und zentralen Prozessen der Bahnindustrie grundlegend. Autonomes Fahren, intelligente Wartung und vernetzte Logistik galten noch vor ein paar Jahren als undenkbar – und werden nun Wirklichkeit. Digitale Stellwerke zur Steuerung des Schienenverkehrs zählen zu den wichtigsten Innovationen. Denn damit ist es in Zukunft möglich, Züge in Echtzeit zu orten und deren Geschwindigkeit anzupassen. Eine dezentrale Steuerung könnte das Bahnnetz weitreichend und unabhängig vom Standort dirigieren. So würden sich auch die Wartungskosten reduzieren, denn ein digitales Stellwerk ersetzt bis zu 15 rein mechanisch betriebene Stellwerke.

3. Gesteigerte Mobilität

Täglich Millionen Menschen schnell, komfortabel, barrierefrei und sicher zu befördern – dafür sorgen schon heute zahlreiche technische Innovationen im Schienenverkehr. Besonders in Ballungsräumen nehmen aber die Einwohnerzahlen rasant zu. Bereits 80 Prozent der Weltbevölkerung werden im Jahr 2030 in Städten leben. Lösungen müssen her, damit die gesteigerte Nachfrage nach Mobilität erfüllt werden kann – vor allem durch die Bahn.

4. Höheres Umweltbewusstsein

Der Schienenverkehr läuft bereits zu über 90 Prozent elektrisch. Die Eisenbahn sichert sich mit einer klimaneutralen, elektrischen Mobilität einen deutlichen Vorsprung im Kampf gegen den Klimawandel. Aber: Laut einer aktuellen Studie des Öko-Instituts wird sich der Klimavorteil gegenüber dem PKW verringern. Grund dafür sind höhere Energiepreise und Kundenansprüche wie Klimaanlagen und Board-Entertainment. Effiziente Technologien sollen helfen, Energiekosten in Zukunft zu senken.

5. Verbesserte politische Rahmenbedingungen

Vom Infrastrukturausbau bis zur Innovationsförderung – die Politik ist gefordert, die digitale Transformation des Bahnsektors zu unterstützen und funktionierende Verkehrsmärkte mit fairen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das bedeutet zum Beispiel, den Schienengüterverkehr durch die Absenkung und schließlich Abschaffung der Stromsteuer zu entlasten. Denn der Gütertransport auf der Schiene leidet zunehmend unter dem harten Konkurrenzwettbewerb mit dem LKW auf der Straße.

Astran-Umfrageergebnisse: So bewerten Experten die Megatrends im Bahnmarkt.
„Die Bahnindustrie insgesamt darf das Geschäftsfeld der intelligenten, vernetzten Produkte nicht branchenfremden Unternehmen überlassen.“
Reinhold Hundt,
Geschäftsführer der Astran Business Consulting GmbH