Gefahrenbranche Öl und Gas: Die größten Risiken und wie Sie ihnen vorbeugen

Naturkatastrophen sorgen für rekordverdächtige Betriebsschäden, Cyberangriffe bedrohen die Sicherheit von Unternehmen weltweit: Die Top-5-Unternehmensrisiken der Öl- und Gasindustrie und was Anlagenbetreiber tun können, um sie zu reduzieren.

1.911 Risikoexperten aus 80 verschiedenen Ländern, 2.376 Antworten für 22 Industriesektoren: Zum siebten Mal hat die Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS) ihr Allianz Risk Barometer veröffentlicht. Die jährliche Befragung untersucht die wichtigsten Risiken für Unternehmen weltweit, für einzelne Regionen und Länder sowie für ausgewählte Industriezweige wie Landwirtschaft, Fertigung und Schifffahrt. Doch wie sieht es bei der Öl- und Gasindustrie aus? Laut Umfrage sind das dieses Jahr die Top-Risiken für den Sektor:

1. Naturkatastrophen

Viele Anlagenbetreiber fragen sich: Sind Extremwetterschäden die neue Normalität? Rekordverdächtige versicherte Schäden von rund 135 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 machen Naturkatastrophen auch 2018 zum größten Risiko für die Öl- und Gasindustrie. Besonders die verheerenden Folgen der drei Hurrikans „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ sorgten im vergangenen Jahr für einen Weckruf: „Die jüngsten Ereignisse haben uns daran erinnert, wie groß die Auswirkungen von Naturkatastrophen sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht sein können“, so Ali Shahkarami, Leiter der AGCS-Forschungsgruppe für Katastrophenrisiken. Naturkatastrophen können viele andere Risiken, wie zum Beispiel Betriebsunterbrechungen, auslösen oder dazu beitragen.

2. Feuer und Explosionen

Feuer- und Explosionsvorfälle sind die zweithäufigste Schadensursache für Unternehmen. Kein Wunder also, dass Brände auf dem Risikobarometer weit oben stehen. Systeme, die Brenner steuern, regeln und schützen, können oft Schlimmeres verhindern. Auch Emergency-Shutdown-Systeme entschärfen bei Gefahr die Situation, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten. Denn in der Prozessindustrie sind bereits mehrere kritische Auslöser für Feuer wie Öl, Gas oder lösungsmittelhaltige Stoffe vorhanden. Je nach Anlage kann sich in geschlossenen Leitungen oder Behältern ein Druck mit mehr als 30 bar entwickeln. Diesem Druckniveau können Tank- und Rohrsysteme nicht standhalten – erhebliche Betriebsschäden und enorme Gesundheitsgefahren für die Mitarbeiter sind die Folge. Falls es zu einem solchen Notfall kommt, sollten Fire & Gas-Systeme vorhanden sein, die Gefahrensituationen frühzeitig erkennen. So haben Mitarbeiter noch genügend Zeit, wichtige Maßnahmen wie eine Evakuierung der Anlage einzuleiten.

3. Betriebsausfälle

Laut der Umfrage gehören Betriebsunterbrechungen nun das sechste Jahr in Folge zu den wichtigsten Unternehmensrisiken. Unabhängig davon, ob die Ursache auf einen Brand oder zunehmend auch auf Cybervorfälle zurückzuführen ist: Schwerwiegende Konsequenzen für das Unternehmen sind meist das Resultat. Im Durchschnitt beläuft sich der Schaden durch eine Betriebsunterbrechung auf über zwei Millionen US-Dollar. Damit liegt er um mehr als ein Drittel über dem eigentlichen Sachschaden. „Die Folgen einer Betriebsunterbrechung werden oft unterschätzt“, . In vielen Fällen sei es schwierig, die tatsächlichen finanziellen Folgen zu berechnen oder herauszufinden, was die Störung überhaupt verursacht hat.

4. Cyber-Vorfälle

Ohne Vernetzung geht in Zukunft nichts mehr – darauf muss sich auch die Prozessindustrie einstellen. Das aber macht Systeme verwundbar: Cyberangriffe, beispielsweise mithilfe von WannaCry oder Petya, beunruhigen Unternehmen weltweit. Die Befragten fürchten insbesondere neue Gefahren wie zum Beispiel Cybererpressung. Ein Cyberangriff kann zu gravierenden Betriebsunterbrechungen sowie Kunden- und Reputationsverlusten führen. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass das Risiko durch Cybervorfälle im Allianz Risk Barometer 2018 nun das sechste Jahr in Folge steigt: In elf Ländern gilt es bereits als Top-Risiko. Statistisch gesehen war jedes Unternehmen schon einmal von Cyberrisiken betroffen oder kann zukünftig damit rechnen. Cybersecurity ist deshalb zu einem wesentlichen Bestandteil industrieller Safety-Systeme geworden. Die internationale Norm IEC 62443 fordert getrennte Netzwerkebenen mit definierten Übergängen, damit sich Betreiber in allen wichtigen Bereichen schützen können: bei der Hardware, bei Betriebssystem und Netzwerk sowie im Engineering.

Betreiber sollten ihre Notfallpläne regelmäßig anpassen und dabei vor allem Cyberrisiken angemessen berücksichtigen.
Volker Münch,
Global Practice Group Leader der Allianz Global Corporate & Speciality

5. Umweltrisiken

Jährlich werden rund 2000 Zwischenfälle im europäischen Pipelinenetz gemeldet. Bei der Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas kann schon die kleinste technische Störung erhebliche Folgen haben: für Menschen, Maschinen und Umwelt. Schon ein einziges Leck in der Pipeline reicht aus, um Schadstoffe wie Methangas freizusetzen. Systeme zur frühzeitigen Leckerkennung können hier über die Zukunft eines Unternehmens entscheiden. Denn mit jeder erfolgten Leckerkennung können Betreiber nicht nur verheerende Schäden verhindern, sondern auch irreparable Konsequenzen für das eigene Image.

Risiken erkennen und reduzieren

Die Öl- und Gasindustrie gehört zu den anspruchsvollsten Sektoren überhaupt. Hier gilt: Betreiber müssen in der Lage sein, vorhandene Risiken zu erkennen und entsprechende risikomindernde Maßnahmen ergreifen. Eine SIS-Sicherheitssteuerung und entsprechende Functional-Safety-Lifecycle-Managementmethoden stellen beispielsweise nicht nur die Produktion sicher. Auch Abnahmestellen und Versicherer achten darauf, dass ausreichende Notfall- und Präventionsmaßnahmen getroffen werden. Nur dann wird ein Unternehmen gegen unvorhergesehene Störfälle versichert.

Betreiber stellt das oft vor eine zeit- und kostenintensive Herausforderung: Denn speziell geschultes Personal muss die jeweilige Sicherheitslösung bedienen können und dafür sorgen, dass die Technik immer zuverlässig funktioniert. Das lenkt die Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Aufgabe ab: der effizienten Produktion. Eine mögliche Lösung dafür wäre, die gesamte Systembetreuung an Experten abzugeben. Diese betreuen sicherheitsgerichtete Systeme über den gesamten Lebenszyklus, führen regelmäßig Wartungen durch und tauschen Verschleißteile aus. Setzen Unternehmen auf ganzheitliche Lösungen, können sie Lebenszykluskosten senken, Störungen vorbeugen und ungeplante Stillstände verringern – und somit den Großteil der gefürchteten Risiken minimieren.