Hürden des Handels: Das Nachbeben der Messeabsagen

Messen und Konferenzen sind eine gute Möglichkeit, um zu netzwerken, neue Produkte vorzustellen und Ideen für zukünftige Innovationen zu schmieden. Doch um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind Großveranstaltungen bis auf Weiteres verboten. Geht nun unverzichtbares Wissen verloren? Oder betreten wir nun einfach alle digitales Terrain?

Die Ausbreitung von COVID-19 zwingt Nationen weltweit zu strikten Reisevorschriften und Social-Distancing-Maßnahmen. Große Menschenansammlungen sind jetzt nicht mehr nur unverantwortlich – sondern mittlerweile unmöglich. Insbesondere große Sport-, Kultur- und Politik-Veranstaltungen sind betroffen. Messen sind hier keine Ausnahme: Zum ersten Mal in der Geschichte wurden beispielsweise der Mobile World Congress Barcelona und die Hannover Messe abgesagt.

Was jetzt?

Die Organisatoren der Events versuchen nun, den finanziellen Schaden soweit möglich zu begrenzen, indem sie mit Zulieferern und Dienstleistern verhandeln. Schließlich erwarten Aussteller und Besucher eine Rückerstattung ihrer Kosten. Im Grunde werben alle Unternehmen um Geduld und Verständnis, während sie das Ende der Extremsituation herbeisehnen.

Parallel dazu setzen einige Unternehmen verstärkt auf die Entwicklung digitaler Informations- und Networking-Plattformen, um alternative Angebote zu schaffen.

Die Realität könnte virtuell werden

Dieses Rennen um alternative Lösungen führt zu Innovationen wie dem virtuellen Forum der ARC Advisory Group – eine abgespeckte Version des ARC European Industry Forum. Präsentationen und Forumsdiskussionen werden einfach ins Web verlagert und per Live-Stream übertragen. Auch eine Interaktion mit dem Publikum ist möglich.

Dank der heutigen Video- und Streaming-Technologien können wir Messen nun also auch von Zuhause aus erleben. Selbst auf Ausstellungsräume müssen wir in der virtuellen Welt nicht verzichten, wie IndustryExpo und die virtuelle Ausstellungsplattform V-Ex zeigen. Auf den digitalen Flächen können Aussteller interaktive Inhalte und virtuelle Stände bereitstellen. Besuchern hier durch die Halle wandern und digitale Give-aways abstauben. Aktuell bietet der V-Ex außerdem an, bereits existierende Fachmessen ebenfalls auf die Plattform zu verschieben.

Natürlich gibt es auch Produkte, die sich über einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display kaum vermarkten lassen. Man muss sie schon fühlen. Hinzu kommt, dass vor allem ältere Generationen sich oft schwertun, ein Geschäft abzuschließen, ohne dem Geschäftspartner persönlich gegenüber zu stehen. Jedes Unternehmen muss also für sich Für und Wider abwägen, um herauszufinden, ob virtuelle Messen eine zeit- und kosteneffektive Lösung sind. Etwas Gutes hat die aktuelle Situation aber auf jeden Fall: Durch die vielen abgesagten Messen gewinnen Unternehmen Zeit, um sich neu zu positionieren.

Die Initiative ergreifen

Unternehmen, in denen die Produktion derzeit also stillsteht oder eingeschränkt läuft, könnten über eine Prozessmodernisierung nachdenken. Jetzt ist vielleicht genau die richtige Zeit dafür – und das gilt nicht nur für die Prozessindustrie.

Nur einige Möglichkeiten: eine stärkere Automatisierung, die Einführung einer KI-Strategie und der Wechsel auf cloudbasierte Infrastrukturen, die einen Transparenzgewinn versprechen. All diese Schritte können Unternehmen darauf vorbereiten, künftige Krisen leichter zu meistern.

Die Initiative ist definitiv da: Viele Unternehmen setzen auf Homeoffice, um Kunden weiterhin den gewohnten Service bieten zu können. Wenn auch Eventplaner – unterstützt von cloudbasierten Technologien und virtuellen Plattformen wie Microsoft Teams, Zoom, Slack und WebEx – dieselbe „The show must go on“-Mentalität an den Tag legen, können Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie zumindest reduzieren. Und eventuell sogar gestärkt daraus hervorgehen. Denn die momentane Experimentierphase ist entscheidend für die Zukunft des Messegeschäfts – ob diese positiv oder negativ ist, bleibt abzuwarten.