Nord Stream 2: Wie sichert man eine Unterwasser-Pipeline?

Die Unterwasser-Pipeline Nord Stream 2 ist höchst umstritten: Neben politischen Streitpunkten steht vor allem der Umweltschutz zur Debatte. Allein der Bau der über 1.200 Kilometer langen Pipeline mitten durch Schutzzonen in der Ostsee könnte enormen Schaden anrichten. Dasselbe gilt für Lecks. An modernsten Sicherheitsmaßnahmen führt kein Weg vorbei.

Die Reise des Erdgases vom russischen Förderfeld Juschno-Russkoje nach Deutschland dauert zwölf Tage. Auf den 1.224 Kilometern fließt das Gas durch knapp 200.000 Rohre, die mit jeweils 24 Tonnen Gewicht auf dem Meeresgrund liegen. Seit 2011 wird über die Unterwasser-Pipeline Nord Stream 1 die Erdgasversorgung Europas sichergestellt. Nun will die Nord Stream AG eine zweite Pipeline bauen, die weitgehend parallel dazu verlaufen soll. Damit könnten pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich nach Europa gepumpt werden. Der Bau ist höchst umstritten – nicht nur politisch, sondern auch ökologisch. Der Bund Naturschutz klagt bereits.

Explosiv: Die Gefahr durch Gaslecks ist enorm

In der Schutzzone auf der deutschen Seite der Ostsee leben Schweinswale, Flussneunaugen und Meeresenten. Die Pipeline Nord Stream 2 führt mitten hindurch und gefährdet das Leben unter Wasser, fürchten Naturschützer. Allein durch das Verlegen der Rohre würden nach Angaben des World Wide Fund for Nature (WWF) rund 12.000 Tonnen Phosphat aus dem Meeresboden in den Wasserkreislauf der Ostsee gelangen. Die Folgen für Fische und andere Meeresbewohner wären aufgrund der Überdüngung der Ostsee unabsehbar. Fließt schließlich Erdgas durch die Rohre, steigt das Risiko für Umweltschäden. Erdgas besteht hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan. Gelangt dieses durch ein Leck ins Meer, wären nicht nur dort beheimatete Lebewesen in Gefahr, es bestünde auch Explosionsgefahr. Ganz zu schweigen von den Folgen für die Atmosphäre, gelänge das Gas an die Wasseroberfläche. Trotz aller Umweltrisiken: Liegen alle Genehmigungen vor, will die Nord Stream AG die Rohre für Nord Stream 2 bis Ende 2019 in der Ostsee verlegt haben.

Exkurs: Die längsten Pipelines der Welt
  • 700 Kilometer: Durch die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline fließt russisches Erdöl in die Pazifikregion nach Japan, Korea, China.
  • 196 Kilometer: Die Jamal-Leitung bringt Erdgas von Sibirien über Russland und Polen bis nach Deutschland.
  • 287 Kilometer: Die Tran-Alaska-Pipeline transportiert Erdöl vom Norden in den Süden Alaskas.
  • 166 Kilometer: Bis zum Bau der Nord Stream war die Langeled Pipeline in Norwegen die längste Unterwasser-Pipeline der Welt.
  • Noch in Planung: Die EastMed könnte mit 1.900 Kilometern die längste und am tiefsten gelegene Unterwasser-Pipeline der Welt werden. Sie soll die östliche Mittelmeerregion über Zypern mit Griechenland verbinden.

Sensoren auf über 1.200 Kilometer Länge

Fest steht: Sicherheitsmaßnahmen auf dem Meeresgrund spielen bei dem Vorhaben eine entscheidende Rolle. Jedes Risiko und kleinste Lecks müssen sofort erkannt werden – und das über 1.200 Kilometern Länge. Sensoren in regelmäßigen Abständen liefern bei Unterwasser-Pipelines Informationen über den Druck in den Rohren. Bei Nord Stream 1 fließt das Gas auf russischer Seite mit

rund 200 bar in die Rohre, auf deutscher Seite kommt es mit etwa 100 bar an. Die Werte werden über die Sensoren direkt in eine Zentrale geliefert, wo eine Software die Lage überwacht. Fällt der Druck an einer Stelle auffallend ab, muss sofort ein Absperrventil aktiviert werden. Verschleiß oder Sabotage könnten ein Leck verursacht haben. So geschehen 2012 vor der Nordseeküste Schottlands: Bei einem Leck auf der „Elgin“-Bohrinsel des Energieriesen Total strömten täglich 200.000 Kubikmeter explosives Gas in die Nordsee. Und das für Monate – wenn auch ohne massive Schäden anzurichten.

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Alle Faktoren auf einen Blick

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte die Leckerkennung und -ortung so schnell und genau wie möglich erfolgen. Sicherheitssysteme müssen dazu neben dem Druck auch Temperatur und Durchfluss im Blick behalten. Spezialisierte Pipeline-Management-Lösungen ermöglichen dies. Sie erkennen anhand ausgeklügelter Algorithmen selbst kleinste Rohrleitungsschäden, alarmieren die Leitstelle oder riegeln im Extremfall die betroffenen Abschnitte automatisch ab.

Tiefsee: Extrembedingungen für die Hardware
Im Subsea-Bereich sind die Anforderungen an die installierten Sicherheitssysteme besonders hoch, müssen diese doch extremen Drücken, Vibrationen und Temperaturen widerstehen. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) und das American Petroleum Institute (API) haben daher eigene Normen herausgegeben: ISO 13628-6 und API 17F regeln detailliert, worauf bei Design und Einsatz eines Steuerungssystems für die Unterwasserproduktion zu achten ist.