Stillstand: Wie COVID-19 industrielle Märkte beeinflusst

In der Industrie leiden vor allem die Nachfrage und die Lieferketten unter den Folgen des Coronavirus. Das wirkt sich stark auf Investitionsentscheidungen aus. Welche Markttrends wird die Krise hervorbringen?

Im Auge des Sturms

Vertikale Branchen wie die Prozess- sowie speziell die Öl- und Gasindustrie sind auf Nachfrageprognosen angewiesen. Nur so können sie ihre Produktion entsprechend planen und den Lagerbestand verwalten. Doch die Corona-Pandemie wirkt sich sowohl auf die Lieferung als auch auf die Nachfrage negativ aus – hinzu kommen fortwährende Handelsspannungen zwischen Europa, China, USA und dem Nahen Osten. Der Benzinverbrauch geht plötzlich enorm zurück. Und unabhängig von der Pandemie ist der Ölpreis extrem gesunken, auch die Flüssigerdgas-Importe sinken. Und das war vermutlich noch nicht alles – die Öl-, Gas- und Chemieunternehmen müssen mit weiteren Herausforderungen rechnen.

In ihrem Quartalsbericht zu den Kapitalaufwendungen in der Prozessindustrie summiert die ARC Advisory Group  folgende zentralen Erkenntnisse:

  • Die Prozessindustrie läuft, jedoch schleppend.
  • Hybridmärkte liegen zurzeit knapp in Führung.
  • Märkte im Automobilbereich befinden sich dagegen in einer Abwärtsspirale – im zweiten und dritten Quartal wird vermutlich der Tiefpunkt erreicht.
  • Die akuten Auswirkungen der Pandemie bleiben vermutlich auf 2020 begrenzt; 2021 werden sich die meisten Unternehmen wieder erholen.

Welche weiteren Folgen wir jedoch auf lange Sicht zu spüren bekommen, ist noch unbekannt.

Den Marktzusammenbruch bewältigen

Jetzt ist es wichtig, dass sich alle Unternehmen mit den finanziellen Herausforderungen auseinandersetzen. Sie müssen detaillierte Pläne erstellen, um ihre Finanzen und ihre Lieferkette zu schützen. Ist das nicht längst geschehen, müssen sie jetzt schnell handeln. Das Problem ist nur: Ölraffinerien und andere Anlagen können nicht einfach so ihre Produktion stoppen. Außerdem ist es ein enormes Risiko, den Betrieb übereilt stillzulegen und es können unerwartet hohe Kosten entstehen.

Einige führende Offshore-Firmen haben stattdessen Investitionsstopps angekündigt. Stattdessen könnten Betreiber aber auch erwägen, die Vereinbarungen mit ihren Zulieferern und Kunden neu zu verhandeln, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

COVID-19 als Katalysator

Im schlimmsten Fall könnten die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 ganze Lieferketten zerstören und Unternehmen in den Bankrott treiben. Doch es gibt einen Lichtblick: in diesem Fall den Automatisierungs-Boom. Derzeit sind viele Mitarbeiter nicht beschäftigt – das liegt zum einen an fehlenden Geldmitteln, zum anderen an den Social-Distancing-Maßnahmen. Doch durch eine intelligente Prozessautomatisierung (Robotic Process Automation; RPA) und Fernüberwachung ließen sich entscheidende Prozesse steuern, ohne komplette Teams vor Ort zu haben.

Den Überblick über sinnvolle Investitionsmöglichkeiten zu behalten, ist nicht einfach. Was genau sollten Unternehmen denn jetzt tun, um sich für die Zeit nach COVID-19 zu wappnen? Drei Dinge helfen in jedem Fall:

  1. Beobachten Sie aufstrebende Märkte.
  2. Sichern Sie sich finanzielle Hilfe, wenn das erforderlich ist.
  3. Bereiten Sie sowohl Ihre technischen Systeme als auch Ihre Teams für einen schnellen Neustart vor.

Die höchste Priorität müssen allerdings weiterhin Maßnahmen haben, die die Gesundheit der Mitarbeiter gewährleisten.

Über ARC

Die ARC Advisory Group ist eines der führenden Marktforschungsunternehmen mit Industriefokus. Das Unternehmen analysiert mithilfe öffentlich zugänglicher Daten aktuelle Betriebs- und Engineering-Technologien, geschäftliche Trends und das industrielle Marktgeschehen.